{"id":1720,"date":"2014-07-11T22:00:36","date_gmt":"2014-07-11T19:00:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.veikkovasama.fi\/tekstit\/?p=1720"},"modified":"2021-11-26T10:17:39","modified_gmt":"2021-11-26T08:17:39","slug":"greenpeace-lugt-heiligt-der-zweck-die-mittel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.veikkovasama.fi\/tekstit\/?p=1720","title":{"rendered":"Greenpeace l\u00fcgt &#8211; heiligt der Zweck die Mittel?"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.veikkovasama.fi\/tekstikuvat\/greenpeace_magazin.jpg\" rel=\"lightbox[15188]\"><img decoding=\"async\" title=\"Ein Foto l\u00fcgt mehr als tausend Worte\" src=\"https:\/\/www.veikkovasama.fi\/tekstikuvat\/greenpeace_magazin.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"x\"><\/a><\/p>\n<p>Ein Foto mit einer einsamen Kr\u00fcppelkiefer, dahinter kilometerweit schneebedecktes Flachland. Der Text dazu hei\u00dft&nbsp; &#8221;Kahlschlag am nordfinnischen Peurakairasee&#8221;.<\/p>\n<p>Jeder, der auch nur ein bisschen in der Natur Lapplands unterwegs gewesen ist, sieht sofort, dass das Foto im Vordergrund keinen Kahlschlag, sondern ein offenes baumloses Moor zeigt. Hinter dem Moor liegt ein See, dessen gegen\u00fcberliegendes Ufer in der Ferne als schmales Band am Horizont auszumachen ist. Der Peurakairasee ist auf dem Foto allerdings nicht zu sehen, was auch gar nicht m\u00f6glich w\u00e4re, weil es einen See dieses Namens weder auf der Landkarte noch in natura gibt. Um den finnischen Schriftsteller Erno Paasilinna zu zitieren: Ein Foto l\u00fcgt mehr als tausend Worte &#8211; wenn der Wille da ist. Wenn es um die auf Deutschland orientierte Oberlappland-Propaganda von Greenpeace geht, ist dieser Wille zweifellos vorhanden.<\/p>\n<p>Das Foto wurde im Zusammenhang mit einem ausf\u00fchrlichen Artikel in Nummer 6\/2005 der Zeitschrift &#8221;Greenpeace Magazin&#8221; ver\u00f6ffentlicht. Der Artikel ist mit &#8221;Papier&#8221; \u00fcberschrieben und handelt eigentlich von der Zunahme des Papierverbrauchs und der Bedeutung von Altpapier. Die aus finnischer Sicht interessante, Oberlappland tangierende Passage ist in der im Internet zu findenden Kurzfassung des Artikels zu lesen.<\/p>\n<p>Die Propaganda von Greenpeace ist schon seit einigen Jahren Sami-politisch gef\u00e4rbt. Auch diesmal kommt das wieder vordergr\u00fcndig zum Ausdruck. Die Journalistin Ritva Torikka-Gelencser aus Inari wird als Sami-Expertin aus der Region angef\u00fchrt. Ihre Behauptung, dass die finnischen Holzkonzerne mit Zustimmung der Regierung die letzten Urw\u00e4lder Europas kahl schlagen, wird in dem deutschsprachigen Artikel wie folgt wiedergegeben: &#8221;Ritva Torikka-Gelencs\u00e9r, die Sprecherin des Rates der Sami, ist entsetzt, wie skrupellos die finnischen Holzkonzerne in Eintracht mit der Regierung vorgehen: Sie rauben uns unser Land und schlagen die letzten Urw\u00e4lder Europas kahl.&#8221;<\/p>\n<p>Und genau so dick wird weiter aufgetragen: &#8221;Mit jedem Baum, der im Norden Finnlands gef\u00e4llt wird, schrumpft der Lebensraum der rund 7000 Sami, die bis heute traditionell von der Rentierzucht leben.&#8221;<\/p>\n<p>Vergleichen wir doch die &#8221;Angaben&#8221; der Greenpeace-Informantin mit den Tatsachen. Von den rund 7000 finnischen Sami leben ca. 4000 in der Heimatregion der Sami. Die Erwerbsstruktur hat sich in Oberlappland etwa im selben Tempo ver\u00e4ndert wie in den anderen Regionen Finnlands auch: Weniger als10 % der Sami im arbeitsf\u00e4higen Alter sind derzeit Rentierz\u00fcchter. 1948 waren es 67,4 %, 1984 noch 33,4 %.<\/p>\n<p>Auf Seite 83 des Erl\u00e4uterungsteils zum Bericht des Samikomitees (OM 3.12.2001) hei\u00dft es zur aktuellen Situation der samischen Bev\u00f6lkerung wie folgt: &#8221;Wegen der geringen Produktivit\u00e4t der nat\u00fcrlichen Erwerbszweige und wegen des Mangels an st\u00e4ndigen Arbeitspl\u00e4tzen basiert die Existenz der samischen Bev\u00f6lkerung in zunehmendem Ma\u00dfe auf gelegentlichen Lohnarbeiten und auf der Einkommensumverteilung durch die Gesellschaft. Auch von den Sami lebt heute ein immer gr\u00f6\u00dferer Teil von der Einkommensumverteilung durch die Gesellschaft, beispielsweise von Arbeitslosenunterst\u00fctzung und Renten. In Utsjoki waren das im Jahre 1999 ca. 29 %, in Inari und Enonteki\u00f6 knapp 35 %.&#8221;<\/p>\n<p>Ritva Torikka-Gelenczers Part endet mit einer scharfen Forderung: &#8221;Greenpeace fordert daher, wenigstens die wertvollsten etwa 90.000 Hektar Urw\u00e4lder in Lappland unter Schutz zu stellen. Gelingt dies nicht, w\u00fcrde der Verlust dieser Natursch\u00e4tze nicht nur das indigene Volk der Sami in seiner Existenz gef\u00e4hrden, sondern auch mehr als 500 vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Sie alle fielen dem Papierhunger der Industriestaaten zum Opfer.&#8221;<\/p>\n<p>Das Gerede davon, dass 500 Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht sind, beruht auf der falschen Annahme, dass die 90.000 Hektar Wald, f\u00fcr die Schutzma\u00dfnahmen gefordert werden, buchst\u00e4blich aus den letzten Wildmarkw\u00e4ldern Inaris bestehen. Dies ist jedoch in Wirklichkeit nicht der Fall, denn die &#8221;ersten&#8221; Wildmarkw\u00e4lder Inaris stehen schon seit langem unter Schutz. Das wird den Deutschen aber nat\u00fcrlich von Greenpeace verschwiegen.<\/p>\n<p>Teilwahrheiten und L\u00fcgen waren von Anfang an kennzeichnend f\u00fcr die Oberlappland-Kampagne unter Leitung von Greenpeace. Zu meinem Erstaunen habe ich feststellen m\u00fcssen, wie blau\u00e4ugig-kritiklos in Finnland das Wirken von Greenpeace hingenommen wird, beispielsweise etwa von einigen Parlamentsabgeordneten des Gr\u00fcnen B\u00fcndnisses, die in der \u00d6ffentlichkeit Stellung zu der Sache genommen haben. Oder ist es etwa so, dass eine Umweltorganisation, &#8221;die auf unserer Seite&#8221; beziehungsweise &#8221;f\u00fcr eine gute Sache&#8221; ist, L\u00fcgen und fragw\u00fcrdige Mittel einsetzen darf?<\/p>\n<p>PS. \u00dcber den Artikel in der Zeitschrift &#8221;Greenpeace Magazin&#8221; und\/oder \u00fcber den Fotobluff in dem Zusammenhang wurde am 31.10.2005 in Finnland mindestens an drei Stellen berichtet: in der Zeitung &#8221;Lapin Kansa&#8221;, im Blog &#8221;Outoa Taigaa&#8221; und im Diskussionsforum &#8221;Suomi24&#8221;. Vom Blog und vom Forum aus gelangte man durch Anklicken des entsprechenden Links auf die Internetseiten des &#8221;Greenpeace Magazins&#8221;. Der Zugriff war so intensiv, dass das f\u00fcr den Ruf der Organisation \u00e4u\u00dferst peinliche Foto noch im Laufe des Nachmittags von den Internetseiten der Zeitung verschwand.<\/p>\n<p>11\/2005<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.veikkovasama.fi\/tekstit\/?p=744\">Auf Finnisch<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Foto mit einer einsamen Kr\u00fcppelkiefer, dahinter kilometerweit schneebedecktes Flachland. Der Text dazu hei\u00dft&nbsp; &#8221;Kahlschlag am nordfinnischen Peurakairasee&#8221;. Jeder, der auch nur ein bisschen in der Natur Lapplands unterwegs gewesen ist, sieht sofort, dass das Foto im Vordergrund keinen Kahlschlag, sondern ein offenes baumloses Moor zeigt. 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